Krankheiten Chamäleons

 

Krankheiten bei Chamäleons sind in der Terrarienhaltung oft beschrieben und können verschiedene Grundursachen wie Parasitenbefall, Mangeler-nährung, schlechte Haltungsbedingungen, mangelhafte Hygiene etc. haben, um nur einige zu nennen. Wenn man seine Tiere unter möglichst optimalen Bedingungen hält und eine qualitativ hochwertige Futter- und Trinkwasser-aufnahme gewährleistet, kann man sich leicht vorstellen, dass ein solches Tier wesentlich unanfälliger gegen Krankheiten ist, als solche bei einer nicht optimalen Haltung.

 

Hat man das Gefühl, dass ein Chamäleon erkrankt ist, sollte man es einem reptilienkundigen Tierarzt vorstellen, um allein schon bei einer ansteck-enden Ursache einer Erkrankung des restlichen Bestandes vorzubeugen. Leider äußern sich die verschiedenen Krankheiten nicht immer in eindeutigen, klar erkennbaren Symptomen. Die häufigsten Veränderung werden in Form von Apathie, Futterverweigerung, Abmagerung, eingefallene Augen, erhöhte Schläfrigkeit, “auf dem Ast liegen”, verkrümmte Beine u.ä. angegeben. Hinter manchen Verhaltensänderun-gen können auch natürliche Verhaltensweisen stecken. Daher ist es wichtig, die Biologie seiner Chamäleonarten zu kennen.

 
 
 

Taucht im Kot plötzlich Blut auf, sollte möglichst schnell ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, damit der Ursache auf den Grund gegangen werden kann. In diesem Fall waren Flagellaten verantwortlich, die nach Behandlung wieder verschwanden.

 

Nimmt man als Beispiel die Nahrungsaufnahme, so muss man wissen, dass sie von vielen Weibchen in der Hochträchtigkeit eingestellt wird und somit nicht als krankhaft eingestuft werden darf. Nach der erfolgten Eiablage stellt sich bald der Appetit des Tieres wieder ein und sie beginnt zu fressen. Dem Züchter ist die Trächtigkeit des Weibchens und die vorangegangene Verpaarung meist bekannt, sodass er die Situation gut einzuschätzen weiss. Hält man ein Weibchen alleine, kann es auch ohne die Anwesenheit eines Männchens ein unbefruchtetes Gelege anbilden. In diesem Falle fällt das vermehrte Körpervolumen und eventuell sich durch die Haut abzeichnende Eier auf. Ist der Halter jedoch unsicher, kann eine mögliche Trächtigkeit über ein Röntgenbild beim Tierarzt leicht festgestellt werden.

Ein anderer Grund zur Nahrungsverweigerung, der nicht mit einer Krankheit verwechselt werden darf, hat seinen Ursprung in der natürlichen Lebensweise einiger Chamäleonarten. So gibt es verschiedenen Arten, die in der Natur , bedingt durch jahreszeitliche Temperatur- und /oder Nieder-schlagsschwankungen, eine Ruhephase durchmachen. In dieser wird kein oder nur wenig Futter aufgenommen. Werden diesen Arten das ganze Jahr über unter konstanten Bedingungen gehalten, kommt es vor, dass sie den Zeitpunkt für ihre Ruheperiode selbst wählen, plötzlich weniger bis nichts mehr fressen und deutlich inaktiver werden. 

Diesen Arten sollte man die Möglichkeiten geben, diese Ruhephase auch unter Terrarienbedingungen zu durchleben. Dies ist leicht durch Veränderun-gen in Beleuchtungsdauer, Temperatur und Sprühfrequenz zu erreichen. Hierzu können die in der Fachliteratur oft detailliert beschriebenen natür-lichen Klimaverhältnisse heran-gezogen werden. Eine gut geregelte, meist kühlere Ruheperiode  bei diesen Arten ist zudem der Zucht sehr dienlich, da die Partner in ihrer geschlechtlichen Aktivität besser synchronisiert werden.

Sind Chamäleons einer grossen Stresssituation ausgesetzt (z.B. unmittelbare Nachbarschaft und Blickkontakt zu einem dominanteren Männchen oder wegen ständigen “in-die-Hand-nehmens”), kann sich dies ebenso in Nahrungsverweigerung äussern, wie eine zu kühle Haltung von wärmeliebenden Arten. Andere Ursachen können auch bakterielle, mykolo-gische oder parasitäre Infektionen genauso wie innere Organerkrankungen sein. Allein an diesem Beispiel sieht man , wie vielfältig die Ursachen für ein einziges Symptom sein können. Daher ist es sehr wichtig, die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Tiere zu kennen, um eine eventuell bestehende oder sich anbahnende Erkrankung schneller erkennen zu können.         

 

 

Gicht

 

 Eine oft bei Chamäleons auftretende, meist haltungsbedingte Erkrankung ist die Gicht. Sie kommt zustande durch zu geringe Aufnahme von Trinkwasser und erhöhter proteinreicher Fütterung, seltener durch Vorerkrankungen der Niere oder Stoffwechselstörungen. Das Endprodukt der verdauten Proteine ist Harnsäure (als weisser Kotbestandteil sichtbar), die normalerweise über die Nieren ausgeschie-den wird. Wird dem Chamäleon nicht ausreichend Trinkwasser geboten, kommt es, bedingt durch die geringere Ausscheidungsrate, schneller zum Anstieg des Harnsäurespiegels im Blut. Das hat zur Folge, dass bei Überschreiten des Sättigungspunktes die Harnsäure in den Nieren, den Gelenken oder den Eingeweiden in Form von Harnsäurekristallen ausfällt. Am Chamäleon äussert sich dies oft in einer Verdickung eines oder mehrerer Gelenke, was besonders gut an Beinen und Füssen zu sehen ist. Durch die damit verbundenen Schmerzen und Gelenkentzündungen kommt es schliesslich so weit, dass das Tier mehr auf dem Ast liegt, als sitzt (siehe Bild unten). In fortgeschrittenen Stadien lassen sie die Beine vom Ast hängen und können nicht mehr richtig greifen. Sind die Nieren und/oder Eingeweide zusätzlich betroffen, kann dies durch einen Tierarzt festgestellt werden. Derzeit gibt es leider noch keine erfolgversprechende Therapie bei einer fortgeschrittenen Gicht. Um einer haltungsbedingten Gichterkrankung vorzubeugen, ist es sehr wichtig, den Tieren täglich die Möglichkeit einer Wasseraufnahme zu geben. Dies ist durch Installation einer Sprühanlage oder manuelles Sprühen (z.B. morgens und abends) einfach durchzuführen. Zusätzlich werden unsere Chamäleons regelmässig mit der Pipette oder mit einer Plastikspritze getränkt, wovon sie auch sehr gerne Gebrauch machen. Dies ist umso wichtiger, je mehr Nahrung (viel Nahrung = Erhöhung des Harnsäurespiegels) dass Tier bekommt.       

 
 
 

Auf dem linken Bild ist ein großer “Gichtknoten” am Gelenk des Hinterbeines bei einem Pantherchamäleon zu sehen.

 
 
 

Im Endstadium der Gelenkgicht liegt das Chamäleon auf dem Ast und lässt die Beine hängen. In diesem Stadium ist dem Tier meist nicht mehr zu helfen.

 
 

Rachitis

 
 
 
 

Eine andere, bei Jungtieren auftretende Erkrankung ist Rachitis ( bei älteren Tieren auch Metabolic Bone Disease genannt). Sie ist ebenfalls meist haltungsbedingt. Hierbei handelt es sich um eine Stoffwechselstö-rung, die ihre Ursache in einem Vitamin D- und oder Kalziummangel hat. Der Körper braucht Vitamin D (Vitamin D3), um das Kalzium in den Knochen “einzubauen”. Fehlt einer dieser Bestandteile, kommt es durch fehlende Mineralisation des Knochens zu starken Knochendeformationen und sogar Brüchen. Um diesen Mängeln vorzubeugen, stäuben wir bei den Jungtieren alle Futtertiere mit einem handelsüblichen Vitamin-Mineralstoff-Präparat ein, in dem auch unter anderem Vitamin D3 enthalten ist. Reicht man ein reines Kalziumpräparat, sollte auf eine Beleuchtung mit UV-Anteil nicht verzichtet werden, da Vitamin D3 nur mit dessen Hilfe gebildet werden kann.

   
 

Parasiten

 

Ein anderer Komplex bei den Chamäleonkrankheiten bilden die Parasitosen, d.h. durch Parasiten verursachte Erkrankungen. Hiervon sind besonders häufig die frisch importierten Wildfänge betroffen.  Parasiten werden in Endo- und Ektoparasiten unterteilt . Während die Endoparasiten (Würmer, Kokzidien etc.) in ihrem Wirtstier leben,  halten sich die Ektoparasiten (Milben, Zecken etc.) auf dessen Oberfläche auf.

Bei Neuerwerb eines Chamäleons sollte vor der Integration in den Bestand  aber auch bei einzeln gehaltenen Tieren eine Untersuchung des Kots auf Parasiten erfolgen (siehe Kapitel Quarantäne). Setzt man es direkt mit anderen Tieren zusammen (Verpaarung etc.) und ist das Tier Träger von infektiösen Parasiten, kann es schon zu einer Ansteckung kommen. Erkennt man das Problem frühzeitig, ist die Problematik wesentlich einfacher in den Griff zu bekommen, als wenn das Tier bereits sichtbar Schäden genommen hat. Zu den häufigsten Parasiten bei Chamäleons gehören Nematoden (wie z.B. Oxyuren, Askariden, Strongyliden) und Protozoen (zu denen z.B. auch Kokzidien, Flagellaten und Amöben gehören). Da sich ein Parasitenbefall in Form von vielen Symptomen äussern kann, sollte bei einem kranken Chamä-leon auch immer eine Kotprobe oder, wenn nötig, eine Kloakenspülprobe auf ein Vorhandensein von Parasiten untersucht werden. Hier auf alle Parasiten einzugehen würde den Rahmen der Homepage sprengen. Daher wird hier nur die Wichtigkeit von Routinekontrollen und einer guten Hygiene verdeutlicht.

Kokzidien

Kokzidien besiedeln den Darm. Sie gehören zu den Sporentierchen (Protozoen), erzeugen oft Durchfall, können besonders bei Jungtieren tödlich sein. Sie sind gut behandelbar. Besonders bei Echsen und Schlangen, manchmal bei Schildkröten. Sie können auch durch Milben übertragen werden. Einige Kokzidien können auch auf Menschen übertragen werden (Toxoplasmose), sind dann besonders während einer Schwangerschaft für das ungeborene Kind gefährlich.

Flotationsverfahren

Ca. 400 g Kochsalz (NaCl) auf 1 Liter Wasser (H²O)

Wasser möglichst warm, damit eine gesättigte Lösung entsteht.

Die Lösung dekandieren, damit übrig gebliebene Kristalle entfernt werden.

Kotproben eines Behälters mehrere Tage lang (min.3) sammeln und feucht aufbewahren (nicht im Kühlschrank!). Bei mehreren Behältern – Kennzeichnen!

Zur Untersuchung mit Flotationslösung mischen, rühren und filtern (grobe Stoffe entfernen).

In den Kolben bis kurz unter den Rand füllen.

20-30 Minuten warten, da die Eier nach oben steigen!

Von der Oberfläche mittels Drahtöse aus der Mitte ein Tröpfchen aufnehmen und auf den Objekt-Träger geben. Die Probe mit Glas-Deckblättchen möglichst ohne Luftblasen abschließen.

Das Mikroskop auf kleinste Vergrößerung einstellen und die Probe untersuchen. Erst wenn Verdacht besteht, die nächst höhere Vergrößerung nehmen.

Achtung! Luftbläschen können Eier vortäuschen, da sich innerhalb dieser Schwebeteilchen sammeln. Sie sind aber in der Regel unterschiedlich in Größe und Form.

Direkt nach der Untersuchung die Objektträger reinigen, da das Salz sonst kristallisiert.

 

   
   
 

Legenot

Legenotz ist eine häufige, bei Chamäleons auftretende Problematik. Hierfür kommen verschiedene Ursachen in Betracht: 

Ist der Bodengrund nicht optimal oder nicht tief genug, macht das Weibchen zwar Probegrabungen, legt die Eier jedoch nicht ab, da es dem Gelege optimale Inkubationsbedingungen bieten will.   

Daher ist es sinnvoll, dem trächtigen Weibchen verschiedene Möglichkeiten zur Eiablage anzubieten. Das Substrat sollte in jedem Falle leicht feucht und gut grabfähig sein. Gerade bei erstmals trächtigen Weibchen kommt es oft vor, dass sie an sehr vielen verschiedenen Orten mit ihren Probegrabungen anfangen. Ihnen bieten wir Substrate unterschiedlicher Feuchte und Konsistenz zur Eiablage an. “Erfahrenere” Weibchen hingegen legen oft direkt im ersten gegrabenen Loch ihre Eier ab. Jedoch kann man dies nicht verallgemeinern und dies ist tendentiell zu sehen, da es auch junge Weibchen gibt, die ihre Eier sofort ablegen und Ältere, die mehrmals graben. Bleiben die Weibchen immer im gleichen Terrarium, wird sehr oft immer wieder die gleiche Stelle zur Eiablage gewählt.

Machen die hochträchtigen Weibchen viele Probegrabungen und laufen unentwegt im Terrarium umher, ist dies anfangs noch als normal anzusehen. Hält dieser Zustand jedoch mehrere Tage an, sollte ihnen zusätzlich noch ein anderes Substrat angeboten werden. Manche Weibchen graben ihre Löcher gerne hinter Blumentöpfen oder unterdichten, niedrigen Zweigen (Wahrscheinlich wegen des besseren Schutzes). Auch eine solche Möglichkeit sollte ihnen spätestens jetzt geboten werden. Erfolgt auch hier keine Eiablage, wird von vielen Züchtern das Weibchen in einen Eimer mit mässig feuchten, gut grabfähigen Sand gesetzt. Oftmals kommt es hier schon bereits bei der ersten Grabung zur Eiablage (was eventuell mit der rundherum geschlossenen und damit geschützten Atmosphäre zu tun haben könnte).Erfolgt in allen angebotenen Substraten keine Eiablage, nimmt die Häufigkeit der Probegrabungen wieder ab bis sie schließlich gänzlich eingestellt werden. Nun kann man davon sprechen, dass das Tier an Legenot leidet. Ist die ausbleibende Eiablage dadurch bedingt, dass das Weibchen die angebotenen Substrate nicht annimmt, spricht man von einer psychogenen Legenot.

Andere Ursachen für eine Legenot können eine Missbildung von Eiern, zu grosse Eier, übergrosse Gelege, Entkräftung, Allgemeininfektionen oder auch ein Vitamin- und Mineralstoffmangel sein. Besonders hervorzuheben ist hier der Kalziummangel. Kalzium wird von der Legedarmmuskulatur während der Eiablage benötigt. Ist es in zu geringen Mengen vorhanden, bleiben die austreibenden Kontraktionen aus und das Gelege kann nicht abgesetzt werden. Dies ist wieder ein gutes Beispiel dafür wie wichtig es ist, dem erhöhten und ausgewogenen Nährstoffbedarf der Tiere, insbesondere während der Trächtigkeit, nachzukommen.

Wenn man sich die vielen für Legenot verantwortlichen Gründe vor Augen hält, merkt man wie wichtig ist, die Ursache der bestehenden Legenot zu kennen bevor man einen Therapieversuch startet. Dies lässt sich leicht von einem reptilienkundigen Tierarzt mit Hilfe von Röntgenbild,Blutwerten etc. abklären. Will man die Eiablage auf gut Glück über Hormongaben provozieren, kann es bei übergrossen Eiern oder Eimissbildungen schnell zum Verlust des Weibchens kommen. Ebenso bleibt diese Methode bei Mangelerscheinungen und anderen erkrankungsbedingten Ursachen erfolglos , sodass hiervon nur von einem Tierarzt nach vorheriger Untersuchung des Chamäleons Gebrauch gemacht werden sollte.

 

Dieses sind nur einige, aber recht häufige Krankheiten, die bei Chamäleons auftreten können. Alle aufzuzählen würde den Rahmen dieser Homepage sprengen. Es soll nur verdeutlicht werden, wie viel schon mit einer optimalen Haltung und einem routinemässigen Gesundheitscheck in Form einer Kotuntersuchung erreicht werden kann. 

Von Dosierungen oder Medikamentenhinweisen wird bewusst Abstand genommen,  da mit einer Verdachtsbehandlung nach dem Motto “ dem Tier geht’s schlecht also Antibiotikum” sehr viel falsch gemacht werden kann. Daher wird abschließend nochmals empfohlen, mit einem kranken Chamäleon einen reptilienkundigen Tierarzt aufzusuchen, der nach ausführlicher Diagnostik gezielt behandeln kann.

   

 

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