Das Jemenchamäleon

Unter den vielen Chamäleon-Arten gilt das Jemenchamäleon Chamaeleon calyptratus als besonders gut für die Heimtierhaltung geeignet – als „Einsteiger-Art“ also. Schätzungen zufolge gehört knapp die Hälfte der in deutschen Terrarien gehaltenen Chamäleons dieser Art an.

Zu den besonders faszinierenden Eigenschaften der etwa einhundert Chamäleon-Arten gehören die Veränderung der Körperfärbung und die extrem lange „Schleuderzunge“. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung wird der Farbwechsel nicht durch den Hintergrund bedingt, sondern ist eine Reaktion auf Licht, Temperatur und andere Umweltveränderungen sowie auf Erregung oder Hunger. Dabei wirken Hormone auf spezielle Pigmentzellen in der Haut ein.

Diese mehr als körperlange, klebrige Zunge wird beim Insektenfang blitzschnell hervorgeschleudert, dabei haftet die Zungenspitze wie ein Saugnapf an der Beute. Die Zungenspitze verfügt über einen Muskel, der sie vor dem Zusammentreffen mit der Beute zu einer Art Höhlung formt. Dies und abgesonderte Flüssigkeit „saugen“ das gefangene Beutetier fest. Beim Zurückziehen der Zunge schließt das Chamäleon beide Augen, um Verletzungen durch das Beutetier zu vermeiden. Die Augen sind unabhängig voneinander in der Horizontalen und Vertikalen beweglich, was den Tieren eine Rundumsicht ermöglicht.

Helmträger

Seinen deutschen Namen verdankt Chamaeleo calyptratus seiner ursprünglichen Heimat, dem Jemen. Hier ist die Art hauptsächlich in den Berghängen einer Gebirgskette zu finden, die sich nahe der Westküste des Roten Meers vom Südjemen bis nach Saudi Arabien hinein erstreckt. Auf der Westseite der Hochlandregion fallen während der beiden Regenzeiten (März -Mai und Juli - September) bis zu 1.000 Millimeter Niederschlag (oberhalb von 3.000 Metern als Schnee). Hier ist das Klima feucht-warm, die Vegetation vergleichsweise üppig. Dagegen sind die von extremen Temperaturunterschieden gekennzeichneten Wüstenregionen im Norden und Osten nahezu niederschlagsfrei und vegetationsarm. Dementsprechend ist das Jemenchamäleon unterschiedlichen Lebensräumen angepaßt.

Ein besonderes Merkmal des Jemenchamäleons ist der sogenannte Helm, eine hohe Ausbuchtung an der hinteren Kopfseite. Dieser Helm kann bei den Männchen bis zu 8 cm hoch sein, bei den Weibchen ist er weniger ausgeprägt. Die Färbung der Männchen reicht je nach „Gemütslage“ von hellgrün über türkis bis dunkelgrün mit gelben Querstreifen. Die Weibchen sind in allen Grüntönen gefärbt, die Quersteifen sind gelb/orange und türkisblau. Ausgewachsene Jemenchamäleons erreichen eine Größe von 35 bis 50 cm (Männchen) bzw. 30 bis 40 cm (Weibchen) und werden circa 5 Jahre alt.

Lebensraum Terrarium

Jemenchamäleons brauchen viel Platz, ausreichende Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten sowie einen Platz zum Sonnen. Die Faustregel zur Bestimmung der Mindestgröße des Terrariums laut BMLF lautet: 4 cm x Kopf-Rumpf-Länge x 2,5 cm x Kopf-Rumpf-Länge und für die Höhe 4cm x Kopf-Rumpf-Länge. Größer ist allemal besser. Da die Tiere gerne klettern, muß das Terrarium deutlich höher als breit sein. Für ein ausgewachsenes Männchen empfehlen Chamäleon-Experten ein Terrarium mit den Grundmaßen 80 x 70 x 120 cm (Länge x Breite x Höhe). In der Regel werden die Tiere einzeln gehalten. Die ständige Paarhaltung kann – insbesondere in zu kleinen Terrarien mit wenigen Rückzugsmöglichkeiten - problematisch sein, da viele Männchen ihre Partnerin ständig bedrängen. Männchen untereinander sind aggressiv, sie sollten sich noch nicht einmal sehen. Da die Tiere auch beim Anblick ihres Spiegelbildes in Erregung geraten (sie halten ihr Spiegelbild für einen Artgenossen), dürfen die Terrarienwände nicht spiegeln und werden im Idealfall mit passenden Materialien (Korkplatten etc) verkleidet.

Wichtig sind ausreichend große Lüftungsgitter – viele Züchter und Halter erweitern die Lüftungsgitter der im Handel erhältlichen Terrarien bzw. verwenden zusätzlich als Abdeckung Aluminium- oder Edelstahlgaze. Auch in der einschlägigen Literatur wird oft darauf hingewiesen, daß Chamäleons stickluftempfindlich sind und einen ausreichenden Luftstrom benötigen. Dies beugt außerdem einer Überhitzung vor. Eine stabile Gaze als Abdeckung erleichtert zudem die sichere Befestigung der Leuchtstoffröhren außerhalb des Terrariums. Spezielle Reptilienlampen sind empfehlenswert. Die Temperatur sollte im Sommer am Boden tagsüber zwischen 22 und 24° C betragen, direkt unter der bzw. den Lampen Temperaturen zwischen 30 und 40° C. Der Tagesrhythmus sollte sich auf bis zu 10 Stunden beschränken, was mit einem Absenken der Temperatur durch Ausschalten der Lampen einhergeht und den Tieren eine regenerierende Nachtruhe ermöglicht. Zusätzliche Wärmequellen (Heizmatten) unter Teilen des Terrariums können eingesetzt werden, sollten sich aber nachts ebenfalls abschalten.

Im Winter kann die Temperatur am Boden auf 18 bis 22° C gesenkt werden (maximal 35° C am Aufwärmpunkt). Saisonale Temperaturschwankungen ermöglichen den Tieren eine Regenerationsphase, die sich auf Gesundheit und Paarungsbereitschaft positiv auswirkt.

Zur Einrichtung gehören verschieden dicke und verzweigte Kletteräste, die sicher befestigt sein müssen und den Innenraum des Terrariums für die Tiere gut erschließen. Optimal ist eine Bepflanzung, die dem Chamäleon im unteren Bereich Schatten und Rückzugsmöglichkeiten bietet, während der obere Teil bis auf die Kletteräste frei von (ungiftigen) Blattpflanzen bleibt. Auf diese Weise entstehen in Verbindung mit der Licht-/Wärmequelle und der Feuchtigkeit verschiedene Mikroklimazonen in den verschiedenen Ebenen des Terrariums, unter denen das Chamäleon wählen kann. Die Bepflanzung wird einmal täglich morgens oder abends mit Wasser besprüht. Die an den Blättern anhaftenden Tropfen werden von den Chamäleons aufgenommen. Zusätzlich müssen die Tiere Tropfen für Tropfen getränkt werden, da Chamäleons nur selten stehendes Wasser aus einer Trinkschale selbständig aufnehmen.

Als Bodengrund eignet sich Spielsand oder rundkörniges Terrariensubstrat. Für ein Weibchen, das für sein Gelege eine Höhle gräbt, muß das Substrat etwa 20 cm hoch aufgefüllt werden und grabfest sein. Vor der Eiablage kann das Substrat leicht angefeuchtet werden, um die Grabfestigkeit zu verbessern.

Ausgewogene Ernährung

Heimchen, Heuschrecken, Grillen, Fliegen, Mottenraupen, gelegentlich auch Mehlwürmer, werden grundsätzlich mit geeigneten Vitamin-/Mineralienpräparaten bestäubt oder alternativ gut eine Woche bis zur Verfütterung mit Äpfeln, Bananen, Gemüse und Salat oder mit Vitaminen versetzter Weizenkleie ernährt. Erwachsene Jemenchamäleons werden bei ein bis zwei Fastentagen pro Woche täglich gefüttert. Trächtige Weibchen und Jungtiere (letztere brauchen entsprechend kleine Futtertiere) bekommen täglich ausreichend Futter.

Um einseitige Ernährung durch Fixierung auf bestimmte Beutetiere zu vermeiden, empfiehlt sich häufigeres Wechseln der Futtertiere. Scheue Tiere werden selbst auf die Jagd gehen, während zutrauliche Jemenchamäleons auch mit der Pinzette angebotene Futtertiere „abschießen“. Manche Jemenchamäleons nehmen auch Obststücke an, dies darf allerdings immer nur als Ergänzung betrachtet werden.

Wie bereits oben erwähnt, sind Chamäleons zur Trinkwasseraufnahme auf Tropfen angewiesen. Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme führt beim Jemenchamäleon zu Gicht und anderen Krankheiten (Austrocknung, Organschäden). Durch Einnebeln der Pflanzen können die Tiere nur einen Teil ihres Trinkwasserbedarfs decken, deshalb muß ganzjährig zusätzlich Tropfwasser – entweder mit der Pipette gereicht oder über eine Tropftränke – zur Verfügung gestellt werden. Verwendet wird nicht zu kaltes Leitungswasser. Destilliertes Wasser kann zu Mangelerscheinungen führen.

Zucht und Aufzucht

Einzeln gehaltene Jemenchamäleon-Weibchen können ebenfalls Eier bilden. Steht dann kein passender Ablageplatz zur Verfügung, droht Legenot. Gleiches gilt natürlich auch für befruchtete Weibchen.

Chamaeleo calyptratus werden mit etwa einem Jahr geschlechtsreif, getrennt gehaltene Paare können dann in regelmäßigen Abständen zusammengesetzt werden. Lehnt das Weibchen das Männchen durch Schnappen und Fauchen ab, sollte es wieder herausgenommen und erst nach einiger Zeit zurück zum Männchen gesetzt werden. Im Gegensatz zu einem paarungsunwilligen Weibchen, das sich dunkel verfärbt, bleibt ein paarungsbereites Weibchen hell. Die Paarung wird an mehreren Tagen hintereinander vollzogen.

Danach werden die Paare sicherheitshalber wieder getrennt. Erfolgreich befruchtete Weibchen haben großen Appetit und sollten entsprechend gefüttert und vermehrt getränkt werden. Sie brauchen ansonsten jetzt viel Ruhe und so wenig Störung wie möglich. Die Eiablage erfolgt nach 20 bis 35 Tagen und wird dadurch angezeigt, daß das Weibchen zunehmend unruhiger wird und an verschiedenen Stellen zu graben beginnt. Das Substrat sollte zu dieser Zeit leicht feucht gehalten werden. Das Jemenchamäleon gräbt einen Tunnel, in den es 20 bis 45 Eier legt und nach der Eiablage verschließt.

Unmittelbar nach der Eiablage können die Eier noch bewegt und in einen vorbereiteten Inkubator gelegt werden. Die Zeitigungstemperatur sollte tagsüber zwischen 23 und 28° C und nachts bei 22 bis 24° C liegen. Bei diesen Bedingungen schlüpfen die ersten Jungtiere nach circa 160 Tagen. Bis die letzten Jungtiere aus dem Ei kommen, kann es weitere zehn bis vierzehn Tage dauern.

Zunächst strecken die gut zwei cm langen Jungtiere nur den Kopf aus dem Ei und verharren so einige Stunden, bevor sie endgültig schlüpfen. Die Tiere werden nun in ein kleines, gut belüftetes Terrarium gesetzt, das mit einigen Zweigen zum Klettern ausgestattet ist und an der höchsten Stelle maximal 30° C und am Boden 22 bis 24° C warm ist. Gefüttert werden die Jungtiere täglich mit „mundgerechten“ Happen, d.h. die „vitamisierten“ Futtertiere dürfen nicht größer sein als die Maulspalte lang ist. Ebenso wichtig ist das Tränken der Jungtiere. Nach einigen Tagen erfolgt die erste Häutung. Viele Züchter setzen von Beginn an auf die Einzelaufzucht, d.h., die Tiere werden unmittelbar nach dem Schlupf einzeln untergebracht. Zieht man die Jungtiere zusammen auf, müssen sie dennoch im Alter von circa vier Wochen getrennt werden. Abgeben sollte man die Jungtiere nicht vor der 12. Woche.

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